Hamburgs Stromnetz am Limit: Fehlende Kapazitäten werden zur Gefahr für den Wirtschaftsstandort

Hamburgs Stromnetz stößt zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen. Wie das Hamburger Abendblatt heute berichtet, können neue Großverbraucher aufgrund fehlender Netzkapazitäten derzeit vielfach nicht mehr angeschlossen werden. Besonders betroffen sind energieintensive Unternehmen, Rechenzentren und größere Batteriespeicher. Gleichzeitig verzögert sich der dringend notwendige Ausbau zentraler Netzverknüpfungspunkte.

Bereits im März hatte der Senat auf eine Anfrage der CDU bestätigt, dass im Hamburger Mittelspannungs- und Hochspannungsnetz keine Anschlussreserven mehr bestehen. Mit einem Antrag zum beschleunigten Stromnetzausbau forderte die CDU-Bürgerschaftsfraktion deshalb bereits im Juni konkrete Maßnahmen, verbindliche Zeitpläne und mehr Transparenz. SPD und Grüne lehnten den Antrag jedoch ab.

Nach Angaben der Hamburger Energienetze liegen derzeit Anschlussanfragen über rund 3.000 Megawatt vor. Gleichzeitig soll die Netzhöchstlast bis 2040 auf rund 3.520 Megawatt steigen. Für zusätzliche Großanschlüsse stehen im aktuellen Vergabeverfahren jedoch keine freien Kapazitäten zur Verfügung. Damit wächst die Gefahr, dass notwendige Investitionen und die Elektrifizierung industrieller Produktionsprozesse nicht rechtzeitig umgesetzt werden können.

Auch in ihrem vorgestellten energiepolitischen Konzept stellt die CDU-Bürgerschaftsfraktion den Netzausbau unter dem Leitgedanken „Stromnetz first“ in den Mittelpunkt. Gefordert werden ein beschleunigter Ausbau der Stromnetze, ausreichende Anschlussreserven für Industrie und Gewerbe sowie eine intelligentere Netzsteuerung durch Smart Grids, Smart Meter und flexible Stromtarife.

Dazu Markus Kranig, energiepolitischer Sprecher der CDU-Fraktion: „Hamburg verlangt von seiner Wirtschaft immer mehr Klimaschutz, kann aber schon heute die dafür notwendigen Stromnetzkapazitäten nicht sicherstellen. Wer Unternehmen zur Elektrifizierung ihrer Produktion drängt, muss ihnen auch die erforderlichen Netzanschlüsse ermöglichen. Besonders ärgerlich ist, dass SPD und Grüne unseren Antrag zum beschleunigten Netzausbau bereits im Juni abgelehnt haben. Mit dem vorgezogenen Ziel der Klimaneutralität 2040 verschärft sich der Handlungsdruck zusätzlich. Klimaziele allein schaffen keine Netzkapazitäten. Hamburg muss endlich zusätzliche Kapazitäten schaffen, statt den Mangel nur zu verwalten.“

Dazu Prof. Dr. Michael Becken, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion: „Für den Wirtschaftsstandort Hamburg ist diese Entwicklung ein ernstes Warnsignal. Unternehmen brauchen Planungssicherheit, wenn sie investieren, ihre Produktion modernisieren und Arbeitsplätze sichern wollen. Wer heute nicht weiß, ob und wann er einen ausreichenden Stromanschluss bekommt, wird Investitionsentscheidungen überdenken und sich im Zweifel für einen anderen Standort entscheiden.

Mit dem Klimaentscheid werden die Anforderungen an Wirtschaft und Infrastruktur noch einmal deutlich größer. SPD und Grüne verweigern sich bislang einer ehrlichen Debatte darüber, welche konkreten Folgen und Belastungen daraus für Unternehmen entstehen. Dabei zeigt sich schon jetzt, wie groß die Lücke zwischen politischen Klimazielen und der dafür notwendigen Infrastruktur ist. Wer eine schnellere Elektrifizierung verlangt, muss dafür sorgen, dass sie technisch überhaupt möglich ist. Hamburg darf Unternehmen nicht immer neue Anforderungen auferlegen und ihnen gleichzeitig den dafür notwendigen Stromanschluss vorenthalten. Sonst gefährdet Rot-Grün Investitionen, Wertschöpfung und Arbeitsplätze in unserer Stadt.“ 

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