Die CDU-Fraktion begrüßt das Pilotprojekt Hamburgs zur Gebäudebegrünung beim DESY, jedoch gibt es noch erheblichen Aufholbedarf. Gerade einmal vier Prozent der städtischen Immobilien weisen eine Grünbedachung auf. Und da stellt sich dann schon die Frage, ob der Senat den Klimaschutz tatsächlich so ernst nimmt, wie er immer suggeriert? Der Staat sollte zumindest mit gutem Beispiel vorangehen. Dies ist in Hamburg leider nicht der Fall. Hier wurden nur 42 von 1.018 Immobilien der Stadt Hamburg mit einer Grünbedachung ausgerüstet. Auch für Neubauten und Sanierung von Gebäuden der Stadt Hamburg wird aus fadenscheinigen Gründen von einer Begrünung abgesehen. Beispielsweise aufgrund erhöhten Pflegeaufwandes, der Gefahr von Vandalismus und einer mangelnden Wirtschaftlichkeit. Wenn der Senat den Klimaschutz erst nimmt, muss er endlich so viele eigene Immobilien wie möglich mit einer Grünbedachung ausstatten. Durchschaubare Ablehnungen darf es dabei nicht mehr geben. Mit einem mehrfach angekündigten Projekt beim DESY können die Versäumnisse der Vergangenheit nicht aufgeholt werden. Die Stadt muss endlich konsequent umsteuern.

Dazu Sandro Kappe, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion: „Pflanzen auf Dächern sind sinnvoll: Sie kühlen im Sommer, sie dämmen im Winter, halten Wasser zurück, entlasten damit die Kanalisation, filtern Staub und Schadstoffe aus der Luft und können sogar die Dachabdichtung schützen. Um private Gründächer zu fördern, stellt der Senat bis 2024 drei Millionen Euro zur Verfügung. Grundsätzlich sollte die Stadt Hamburg meiner Meinung nach städtische Dachflächen für Fotovoltaik-Anlagen zur Verfügung stellen und zugleich eine Dachbegrünung herstellen. In Zeiten des Klimawandels können wir uns keine Verzagtheit leisten. Oft ist beides möglich – Dachbegrünung kann durch den kühlenden Effekt sogar den Wirkungsgrad von Solarzellen steigern. Das heißt aber nicht, dass auf jedem Dach immer Optimierungspotenzial besteht. Es ist jedoch eindeutig mehr möglich. Wir benötigen jetzt und in Zukunft mehr Ökostrom und Abkühlung bei immer heißeren Sommern.

Und was macht die rot-grüne Koalition? Laut Senat nehme Hamburg seine Vorbildfunktion wahr. Bei jedem Neubau und jeder Sanierung öffentlicher Gebäude würde grundsätzlich auf Gründachpotenzial geprüft und wenn möglich umgesetzt. In seiner Antwort auf meine Anfrage räumt der Senat jedoch ein, dass die Prüfung auf Grünbedachung offensichtlich nur im rudimentären Umfang erfolgt. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie wenig nachvollziehbar. Denn konsequent zu Ende gedacht, wird es dann auch in Zukunft keine zählbare Gebäudebegrünung in Hamburg geben. Schulbau Hamburg kann nicht einmal angeben, warum Schulgebäude bisher nicht begrünt werden. Wenn der Senat aber regelhaft aufgrund eines erhöhten Pflegeaufwandes, der Gefahr von Vandalismus und mangels Wirtschaftlichkeit von der Installierung von einer Grünbedachung absieht, kann man nicht von einer Vorbildfunktion sprechen. Die bisherige Bilanz spricht zumindest für sich: Hamburg hat laut meiner Anfragen 22/2738 und 22/3553 bisher nur 42 von 1.018 Immobilien mit einer Fläche von 38.429 m² mit einer Dachbegrünung ausgestattet. Das heißt 4,13 Prozent der städtischen Immobilien haben ein teil-begrüntes Dach. Das ist zu wenig. Hier kann erheblich nachgesteuert werden.

Auch Privatinvestoren sind in Hamburg bisher von Gründächern noch nicht sehr überzeugt. Wahrscheinlich sind viele von anfänglichen Investitionen abgeschreckt. Zwar betreibt die Stadt Hamburg eine Gründach- und Fassaden-Förderung. Doch offensichtlich bleibt hier noch viel Potenzial zur Öffentlichkeitsarbeit und zur stärkeren finanziellen Förderung privater Gründächer. Die bisher vorgesehenen Fördermittel für Gründächer in Höhe von drei Millionen Euro bis 2024 reichen zumindest für das Ziel einer grüneren Stadt nicht aus. Der Senat kann durch eine höhere Förderung und dem verbesserten Nachkommen seiner Vorbildfunktion schneller für bessere Luft und geringere Umgebungstemperaturen im Hochsommer sorgen. Bisher geschieht dies unzureichend.“