In Hamburgs Pflegeheimen leben über 16.000 Pflegebedürftige. Für sie gilt ein strenges Besuchsverbot, da sie zur Covid-19-Risikogruppe gehören. Hinzu kommen Zehntausende, die ebenfalls von dem Besuchsverbot betroffen sind, obwohl sie vergleichsweise selbstständig leben, nur weil ihre Einrichtung auch unter das Hamburgische Wohn- und Betreuungsqualitätsgesetz fällt. Da die Corona-Pandemie das Leben der Menschen aber noch über viele Monate bestimmen wird, können den Pflegebedürftigen nicht länger weiter jegliche Besuche verwehrt werden. Daher fordert die CDU-Fraktion mit einem Antrag in der heutigen Bürgerschaftssitzung, dass der Senat schnellstmöglich sogenannte „Balkonbesuche“ in Pflege- und Senioreneinrichtungen ermöglicht. SPD und Grüne haben sich diese Forderung in einem Zusatzantrag zu eigen gemacht.

Stephan Gamm, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion: „Isolation und Einsamkeit bestimmen nun seit Mitte März das Leben von Pflegeheimbewohnern. Aber auch der Ehemann, der seine an Demenz erkrankte Ehefrau nicht mehr besuchen darf, verliert den Lebensmut. Woche für Woche schwindet die Chance, dass seine Frau ihn noch erkennen wird. Rot-Grün muss daher den Spagat zwischen dem Schutz vor Ansteckung und der Lockerung des Besuchsverbots hinbekommen. Sogenannte „Balkonbesuche“ unter Berücksichtigung von Hygiene-Auflagen sind in allen Pflegeheimen dringend zu ermöglichen. Fachkräfte sollten darüber hinaus insbesondere bettlägerigen Menschen die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation eröffnen dürfen. Auch wenn Menschen medizinisch betrachtet nicht an gebrochenem Herzen sterben können, so können ein eingeschränkter Lebenswille und Depressionen den Tod durchaus beschleunigen. Die Zeit drängt! Für die Pflegeeinrichtungen in Hamburg müssen daher schnellstmöglich ein Konzept zur Abmilderung der sozialen Isolation entwickelt und konkrete Hilfen bereitgestellt werden. Ich freue mich, dass auch SPD und Grüne sich dort jetzt offenbar bewegen wollen. Schade jedoch, dass die Regierungsfraktionen nicht die Größe haben, dem guten CDU-Antrag einfach zuzustimmen.“